Allgemein
„Wir sind nicht neutral“
- von C. Schumacher
Landestag Schule ohne Rassismus in Magdeburg
16.9.2026
„Wir sind nicht neutral“ – dieser Satz stand sinngemäß über dem diesjährigen Landestag von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage am 16. September 2026 in Magdeburg an der Hochschule Magdeburg-Stendal, an dem drei Schülerinnen des BGW unter Begleitung von Hr. Fieselmann teilnahmen. Und er trifft einen wichtigen Punkt: der Beutelsbacher Konsens zur politischen Bildung von 1976 wird in der Öffentlichkeit, aber auch im schulischen Kontext immer wieder mit absoluter politischer Neutralität verwechselt. Dabei bedeuten die drei Gebote/Verbote dieses Konsenses aber eben nicht, dass Schule menschenfeindliche Positionen gleichwertig neben demokratische Grundwerte stellen muss oder darf. Schule soll Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, sich eine eigene Meinung zu bilden und gleichzeitig klar für die Menschenwürde und die Grundprinzipien der Demokratie einstehen – ohne Wahlwerbung, aber mit entschiedener Haltung für Vielfalt, Toleranz und Pluralismus.
Dieser Leitgedanke zog sich bereits durch das leider verregnete Auftaktprogramm, welches wie im vergangenen Jahr durch musikalische Beiträge des Rappers Matondo Castlo begleitet wurde. Besonders deutlich wurde das diesjährige Motto aber in den zahlreichen Workshops für die beteiligten Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen. Aus dem Pool aus insgesamt 28 Angeboten wählten unsere Schülerinnen die Workshops „Rechts rockt nicht!“ sowie „Druckwerkstatt für Demokratie – Analoge Botschaften mit Wirkung“.
„Rechts rockt nicht!“ befasste sich damit, wie rechtsextreme Ideologien über Musik, Symbole, Zahlen- und Buchstabencodes oder scheinbar harmlose Begriffe transportiert werden. Für die Jugendlichen wurde dabei sichtbar, dass Rechtsextremismus nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Wissen über solche Codes kann helfen, Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen und einzuordnen.
Die Druckwerkstatt wählte den dezidiert kreativen und praktischen Ansatz. Hier konnten die Schülerinnen eigene Botschaften entwickeln und anschließend auf Stofftaschen drucken. Demokratie wurde damit nicht nur besprochen, sondern selbst gestaltet: mit eigenen Ideen, klaren Aussagen und sichtbaren Zeichen gegen Ausgrenzung und für ein solidarisches Miteinander.
Der diesjährige Landestag mit seinen über 800 teilnehmenden Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften hat damit gezeigt, was politische Bildung in Schule leisten kann: informieren, zur Auseinandersetzung anregen und junge Menschen ermutigen, ihre Stimme zu nutzen. Nicht neutral gegenüber Menschenfeindlichkeit – aber offen für Diskussion, Widerspruch und die eigene Urteilsbildung. Der positive Grundgedanke, der sich hinter dem sehr deutlichen Motto dieses Jahres verbarg, manifestierte sich auch im Abschlussprogramm, wo Präsentationen aus den Workshops und die musikalische Darbietung nun mehr von Sonnenschein begleitet wurden. Ausgestattet mit vielen Gratismaterialien zur politischen Bildung konnten selbst Zugausfälle auf der Rückreise einem gelungenen Tag nicht im Wege stehen.
A. Fieselmann









