Allgemein
Nie wieder ist jetzt!
- von C. Schumacher
Erinnern gegen das Vergessen!
Vom 18.08.2026 bis zum 21.08.2026 haben sich 27 Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen zusammen mit Herr Fieselmann und Herr Rießner sowie dem halleschen Kriegsfotografen Knut Mueller auf eine besondere und intensive Reise begeben. Die Gedenkstättenfahrt wurde von Arbeit und Leben Sachsen-Anhalt e.V. organisiert und mit Bundesmitteln gefördert. An zwei vollen Tagen setzten sich die Beteiligten mit der Geschichte und der aktuellen Bedeutung des wohl bekanntesten deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers auseinander.
An beiden Tagen standen jeweils vier Stunden Führung auf dem Programm.
Am ersten Tag besuchte die Gruppe das KZ Auschwitz I (Stammlager) mit dem berühmten Schriftzug am Eingangstor „Arbeit macht frei“. Besonders die Berge von Haaren, Brillen und anderen Gegenständen, die den Häftlingen abgenommen wurden, zeigten eindrücklich das Leid der Menschen. „Diese Haare waren ja mal alle auf Köpfen von Menschen.“ resümierte ein Schüler bei unserer allabendlichen Reflexions- und Arbeitsphase.
Nach einer kurzen Mittagspause in der Unterkunft ging es in die Synagoge von Auschwitz - dort bekamen wir wieder eine fachkundige Führung und in der Ausstellung konnten wir Bilder von Familien und Einzelpersonen, Dokumente und Artefakte von lokalen jüdischen Organisationen und Unternehmen bestaunen. Immerhin war fast die Hälfte der Bevölkerung von Auschwitz vor dem 2. Weltkrieg jüdischen Glaubens. Des Weiteren konnte unser Guide unsere Schülerinnen und Schüler über nationale wie internationale Freiwilligendienste am Beispiel der Aktion Sühnezeichen informieren.
Am zweiten Exkursionstag fuhren wir zum KZ Auschwitz II (Birkenau). Während der Führung über das riesige Gelände legten wir über 6 km zurück und bekamen einen Eindruck für die Dimensionen des Vernichtungslagers, welches für bis zu 200.000 Häftlinge geplant war und in dem zeitweise bis zu 100.000 Menschen eingesperrt waren. Ein besonders bedrückender Moment entstand, als wir in einer der rekonstruierten Holzbaracken standen, auf die dreistöckigen Holzpritschen schauten und unser Guide erzählte, dass bis zu 12 Personen auf einer Etage schlafen mussten. In der Summe mussten also bis zu 1.000 Menschen in einer Baracke unter furchtbaren hygienischen Bedingungen leben – Krankheiten waren an der Tagesordnung. Eine Schülerin sagte dazu nachdenklich: „Das wäre, als ob unsere ganze Schule in dieser Baracke leben müsste.“
Die gesprengten Gaskammern mit angeschlossenen Krematorien gaben nur noch als stumme Steinberge Zeugnis über das größte Menschheitsverbrechen. Grade hier machten die äußeren Verhältnisse (idyllische Natur mit frei laufendem Wild, sonniger Tag) das Erlebte ziemlich surreal und unbegreiflich.
Am Nachmittag fuhren wir dann zum Franziskanerkloster Harmęże, ein wichtiger Gedenkort des Holocausts. Die dortige Ausstellung zeigt die Werke des Marian Kołodziej, der als Auschwitzüberlebender in hohem Alter seine Erfahrungen aus der Hölle von Auschwitz in düsteren, teils großflächigen Visionen des Grauens Ausdruck verlieh. Bemerkenswert: erst nach einem Schlaganfall 1992 begann Kołodziej im Alter von 72 Jahren mit seinem Werk, welches ihn noch insgesamt 16 Jahre bis zu seinem Tod begleiten sollte.
Zudem ist dieser Ortsteil von Auschwitz für seine Fischteiche bekannt, die von den Zwangsarbeitern des KZ bewirtschaftet wurden und in denen die Asche aus den Krematorien verstreut wurde, um Spuren der Gräueltaten zu verwischen.
Jeden Abend trafen wir uns nach dem Abendessen in Räumen der Unterkunft, um gemeinsam den Tag auszuwerten, Gesehenes einzuordnen und unsere Erfahrungen und Empfindungen zu teilen. Zudem arbeiteten die Schülerinnen und Schülern in Projektgruppen zu einzelnen Themen, die v.a. auf fotodokumentarische Weise unserer Reise eine möglichst lange Nachwirkung ermöglichen soll. Unsere Eindrücke und Erkenntnisse wollen wir nun mit allen teilen.
Nie wieder ist jetzt! – Erinnern gegen das Vergessen!









